Basis-Rezepte der Pâtisserie, Rezepte
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Beurre noisette
Feine Nussbutter
Grundrezept

Beurre noisette Nussbutter Rezept braune Butter Grundrezept

Nicht wegzudenken aus der französischen Patisserie ist die Beurre noisette, auf Deutsch heißt sie richtig übersetzt Haselnuss-Butter, aber daraus wurde ganz einfach Nussbutter und manchmal auch braune Butter. Aber Haselnüsse haben in ihr nichts verloren, auch andere Nüsse sucht man vergeblich. Denn die Beurre noisette ist eine ganz ordinäre Butter aus Süßrahm, gesalzen oder ungesalzen, welche lediglich neben dem feinen Butteraroma, nach gerösteten Haselnüssen schmeckt und duftet, sowie leicht gebräunt ist. Für alle Butter-Fanatiker, habe ich auch ein Rezept für selbstgebutterte Vanille-Butter im Blog. Hier geht es zur Beurre à la vanille de Madagascar.

Was genau ist Beurre noisette und wie wird sie gemacht?

Für eine Beurre noisette wird frische Süßrahmbutter in einem Topf erst geschmolzen (Schmelzpunkt 28 – 35°C) und weiter erhitzt, bis sich die festen Bestandteile der Butter (Milchproteine und Milchzucker) beginnen vom Milchfett zu trenne und das Wasser verdampft ist. Bis dahin hat das Wasser in der Butter den Temperaturanstieg begrenzt. Erst wenn es fast vollständig verdampft ist, steigt die Temperatur des Milchfettes (Butter) schneller an und die Milchproteine beginnen zu schäumen, bis sie sich schließlich die festen Bestandteile auf dem Topfboden absetzen und unter der steigenden Temperatur des Milchfettes beginnen zu karamellisieren bzw. zu bräunen. Je höher die Temperatur im Topf ansteigt, umso stärker bräunen diese Bestandteile, bis sie schließlich verbrennen und der Rauchpunkt der Butter von ca. 175°C erreicht ist. Wer ab hier keinen Küchenbrand riskieren möchte, hat spätesten an diesem Punkt den Topf vom Herd genommen und muss leider noch mal mit frischer Butter von vorne anfangen. Aber so weit lasst ihr es natürlich nicht kommen! Sondern ihr stoppt den Bräunungsvorgang bei ca. 130 – 150°C je nach gewünschter Intensität der Beurre noisette.

Was kommt nach der Beurre noisette, vielleicht die Beurre noir?

Danach ist Schluss, da kann man sich auch nicht mehr mit einer Beurre noir rausquatschen. Denn die ist eine Sauce und keine Steigerung der Beurre noisette. Vielleicht kennt ihr den Klassiker der französischen Küche Raie (Rochen) au beurre noir? Für eine Beurre noir wird eine Beurre noisette mit einer Säure (Essig, Weißwein, Zitronensaft) kombiniert. Kapern und Petersilie können auch noch hinzugefügt werden.
Also es bleibt dabei. Verbrannte Milchproteine und verbrannter Milchzucker geben der Butter einfach einen unangenehmen Geschmack. Eine Geschmackskombination aus Bitterkeit und Rauch, welche für nichts mehr zu gebrauchen ist.

Wird die Beurre noisette noch gefiltert oder lieber nicht?

Also, ich sag mal so. Je dunkler, umso filtern.
Einerseits ist das ganze Prozedere nur dafür da, die festen Bestandteile der Butter zu karamellisieren bzw. zu bräunen, damit diese ihre Aromen an das verbleibende Milchfett abgeben können und deshalb wird durch ein feines Passiertuch über einem Sieb gefiltert. Jetzt schmeckt aber der entstandene Bodensatz aus karamellisierten Milchproteinen nicht ganz unlecker, wenn ihr es nicht übertrieben habt. Manchen Rezepten schadet es nicht, wenn ihr die Beurre noisette ungefiltert lasst, z.B. Haselnuss-Financier können unter Umständen von dem intensiveren Geschmack profitieren und auch optisch würden die kleinen Krümel in diesem Rezept nicht stören. Aber schon bei Madeleines kann das Ganze nicht mehr so hübsch ausschauen. Ich filtere meist und euch kann ich den Ratschlag geben, es von eurem Geschmack bzw. dem Rezept abhängig zu machen. Nur eines ist wichtig wenn ihr nicht filtert, ihr müsst unbedingt den Topf vom Herd nehmen und die Beurre noisette umfüllen, damit der Bräunungsprozess beendet wird.

Für was kann ich sie einsetzen in der Patisserie?

Eine Sache ist sicher, die französischen Patissiers sind bestimmt die größten Verwender der Beurre noisette oder Nussbutter. Eine Vielzahl an Rezepten wird mit ihr verfeinert. Egal ob Madeleines, Crêpes, Sablés, Waffeln, div. Crèmes, Friands oder Financiers wie im Rezept für Financiers à la pistache oder auch in meinem Rezept für Far breton aux pruneaux, Beurre noisette macht sie alle unglaublich wohlschmeckend. Prinzipielle lässt sich sagen, dass Beurre noisette immer eingesetzt werden kann, wo in einem Rezept nach flüssiger Butter verlangt wird. Vielleicht habt ihr schon etwas im Hinterkopf, dann sofort ausprobieren und berichten!

Kann die Beurre noisette auf Vorrat hergestellt werden und wie wird sie gelagert?

Beurre noisette kann in etwas größeren Mengen hergestellt werden. Bei der Herstellung müsst ihr einen Verlust von 20 – 25 Prozent einkalkulieren. Nach dem Filtern bitte in ein Einmachglas füllen und mit einem Deckel gut verschließen und schnell runterkühlen, so bleibt das Aroma am besten erhalten. Danach empfehle ich eine Verwendung innerhalb ca. 6 Wochen. Die Beurre noisette ist natürlich viel viel länger haltbar, verändert ihren Geschmack aber doch ganz leicht mit der Zeit und ich bin da eher streng. Zum Anbraten kann sie aber sicher noch weit über die 6 Wochen hinaus genutzt werden. Für manche Saucen bevorzuge ich sie aber lieber ganz frisch.

Mehr Rezepte mit Beurre noisette? Dann probiere doch mal meine feinen Pistazien-Financiers oder meinen Far breton.

Rezept für Beurre noisette / Feine Nussbutter

Beurre noisette Nussbutter Rezept braune Butter

Zutaten für ein Einmachglas mit 450 ml. Inhalt

Wichtige Kochutensilien
Stielkasserolle oder Kochtopf (2 L)
Rührspatel*
Passiertuch
Sieb

Beurre noisette/Braune Butter

  • 600 g Süßrahmbutter

Zubereitung

Schritt 1
Ein Sieb mit einem Passiertuch auslegen und über eine passende hitzebeständige Schüssel hängen und bereit halten.

Beurre noisette Nussbutter Rezept braune Butter Zubereitung 1

Schritt 2
Die Butter in große Würfel schneiden und in einem passenden Topf unter Rühren schmelzen und weiter erhitzen, bis die festen Bestandteile nach oben steigen und das Wasser verdampft ist. Dabei wird die Butter aufschäumen.

Beurre noisette Nussbutter Rezept braune Butter Zubereitung 2

Schritt 3
Weiter unter stetigem Rühren (damit die festen Bestandteile gleichmäßig bräunen) erhitzen bis ca. eine Temperatur von 130 – 150°C erreicht ist. Für mich ist eine Temperatur von 135 – 140°C ideal.

Beurre noisette Nussbutter Rezept braune Butter Zubereitung 3

Schritt 4
Danach die Nussbutter sofort in ein mit einem Passiertuch ausgelegtes Sieb gießen und über einer hitzebeständigen Schüssel durchfiltern. Die Nussbutter in ein verschließbares Glas umfüllen, schnell abkühlen und im Kühlschrank lagern.

La vie est belle
Eure
Claudia aka La Pâticesse

Kategorie: Basis-Rezepte der Pâtisserie, Rezepte

von

Bonjour, ich bin Claudia und von ganzem Herzen Pâtissière. »Fou de Pâtisserie« wie man in Frankreich sagt und als Teilzeit-Pariserin kenne ich mich mit den neusten Gebäck- und Genuss-Trends aus und weiß genau wie man sie macht. Bei Interesse an meinen Pâtisserie-Workshops, schreibt mir bitte eine Nachricht an workshops@lapaticesse.com

16 Kommentare

  1. Hallo Claudia,
    gegenüber dem, was sich so im Internet herumtreibt, sind Deine Beiträge von außerordentlich hoher Qualität. Da ist einmal das gute Deutsch, die interessante und und zurückhaltend humorvolle Beschreibung der Rezepte sowie die professionelle Bebilderung. Ich wüsste nicht, wie man Deine Rezepte noch verbessern kann – alle Achtung.
    Nach meiner Erfahrung ist Deutsche Butter für Beurre noisette wenig geeignet. Ich verwende Beurre de Baratte demi sel oder süß. Diese Butter wird sehr homogen und gleichmäßig hellbraun und nussig.
    Grüße von Walter

    • La Pâticesse sagt

      Hallo Walter,
      vielen lieben Dank für dein Kompliment und deinen lieben Kommentar. Ich freue mich sehr darüber 🙂
      Ich wünsche dir und deiner Familie ein schönes Wochenende
      Claudia

    • Hallo Walter,

      die Rezepte sind klasse. Aber gutes Deutsch???
      Es heißt trotz Rechtschreibreform und Neusprech nach wie vor JE…DESTO und JE…UMSO. Also: Je länger die Butter bräunt desto bitterer wird sie. Je besser du kochst umso leckerer wird es. Es gibt auch das heute veraltete JE…JE. Z.B. in Je länger, je lieber. Aber ein umso…umso gibt es nicht.
      Nichts für ungut.
      Schöne Grüße
      Irma

      • La Pâticesse sagt

        Liebe Irma,

        möglich, dass mir beim Text auch mal etwas durchrutscht. So wie Ihnen bei der Freundlichkeit!
        Andere Blogs haben auch schöne Rezepte.
        Nichts für ungut.

        Schöne Grüße
        Claudia

  2. Tanja sagt

    absolut angebracht der letzte Kommentar auf den „freundlichen“ Text von Irma….Da machen sich Menschen die Mühe hier so tolle Dinge zu veröffentlichen…und das ist prima, mir gefällt der Beitrag absolut, für mich ist nun alles glasklar zum Thema Nussbutter. Danke schön.

    • La Pâticesse sagt

      Hallo Tanja,
      bitte schön!
      Ich freue mich, 🙂 dass der Beitrag für dich hilfreich war.
      Danke dir und ein schönes Wochenende
      Claudia

    • Hinrich sagt

      …starke Antwort! Lehrer/Lehrerinnen sind nicht gefragt. Einfach sich mal erfreuen an diese Seiten!!

      • Claudia sagt

        Das war einfach neidische Konkurrenz 😉 Auf die kommt es hier nicht an.
        Viel Spaß beim Backen
        Claudia

  3. Evija Asberger sagt

    Ich mag, wie du schreibst. Mit einer Leichtigkeit. Ich entnehme aus den meisten Blogs nur die Angaben der Zutaten. Bei dir habe ich mit Spaß jeden Satz gelesen, selbst deine Antworten auf die Kommentare sind super. Danke, dass du dein Wissen mit uns teilst.

  4. Michael sagt

    Chère Pâticesse
    Momentan habe ich ein wunderbares Saucenkochbuch vor mir, welches desto besser wird, umso mehr ich darin schmökere. Es setzt einiges Grundwissen – zB. über die obgenannte Nussbutter – voraus, deren perfekte Herstellung ich mir zum Ziel gesetzt habe.

    Hier habe ich den dienlichsten Beitrag gefunden, ein herzliches Dankeschön dafür! Das versinnlicht die Weihnachten 🙂

    PS liebe Irma, den Fehler habe ich extra dir zuliebe geschrieben, je öfter du ihn suchst, je schöner für uns.

  5. Bernhard sagt

    Liebe Claudia,
    Deinen Post (und die Kommentare dazu) habe ich erst jetzt entdeckt. Da möchte ich mich voll dem Kommentar von Evija (Oktober 2019) anschließen. Deine Anleitung hat was! Mit den Hintergrundinformationen, weniger Hitze, etwas Geduld und brav Rühren habe ich die erste richtig gute Nussbutter hinbekommen, bei der es dann auch keine dunklen Anhängsel im Topf gab. Fast so schön wie auf den Bildern.
    Wirklich sehr hilfreich: Die Angaben zur Temperatur! Ein herzliches Dankeschön 😋

    • Claudia sagt

      Hallo Bernhard,
      wunderbar 🙂 so soll es sein! Nie wieder Motoröl 😉 Wenn man erst die Basics beherrscht, dann ist alles möglich.
      Schönen Sonntag
      Claudia

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